Siedlungsbau im ehemaligen US-Hauptquartier

Aus dem ‚Tagesspiegel‘ vom 17. 5. 2011

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Clayallee

Siedlungsbau im ehemaligen US-Hauptquartier

Stadtvillen, Wohnungen, Büros: Ein Nürnberger Investor will Millionen in das historische Gelände an der Clayallee stecken. Baubeginn soll 2012 möglich sein, die Fertigstellung drei Jahre später.

Nach rund 17-jährigem Leerstand soll das einstige Hauptquartier der US-Armee an der Clayallee in Dahlem zu einer Siedlung mit 145 Wohnungen und Büroflächen umgebaut werden. Dem Bezirk liege ein Antrag auf einen Bauvorbescheid vor, sagte der Steglitz-Zehlendorfer Bürgermeister Norbert Kopp (CDU) am Montag. Die Nürnberger Terraplan Immobilien- und Treuhandgesellschaft und die Prinz von Preußen Grundbesitz AG aus Bonn erwarben das Gelände von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Diese hatte im vorigen Herbst eine Verkaufsausschreibung gestartet.

Damals hatte sich das Bezirksamt eigentlich für die Nutzung als Firmensitz oder Repräsentanz, Botschaft oder Forschungsstätte ausgesprochen.

Wohnungsbau war höchstens „untergeordnet“ erwünscht. Die Bima wollte sich auf Nachfrage nicht zu der Vergabe äußern. Zum Projekt gehören Ein- bis Vierzimmerwohnungen in den denkmalgeschützten Altbauten, fünf Einfamilien-Doppelhäuser und vier Stadtvillen mit bis zu zwei Etagen plus Dachgeschoss. „Vier Fünftel des Bestands bleiben praktisch unverändert“, betont Terraplan-Geschäftsführer Erik Rossnagel. Die Büros könnten beispielsweise an die Freie Universität und Firmen aus der Nähe vermietet werden, ein prächtiger Saal in der ersten Etage sei für Kulturveranstaltungen geeignet. Läden sind nicht geplant. Zur Investitionshöhe sagte er nichts. Der Baubeginn sei 2012 möglich, die Fertigstellung drei Jahre später.

Nicht zum Verkauf stand der Grundstücksteil mit dem US-Generalkonsulat. Die Anlage war 1936 bis 1938 als Verwaltung und Kaserne der Reichsluftwaffe entstanden, 1945 von der US-Armee beschlagnahmt und später vom Bund übernommen worden. Die FU plante einen Campus, scheiterte aber an den Kosten. Vorübergehend war auch der Bundesnachrichtendienst als Nutzer im Gespräch.

Das Areal liegt gegenüber der Truman Plaza, wo früher das Deutsch-Amerikanische Volksfest stattfand. Dort will die Firma Stofanel Wohnungen, einen großen Supermarkt und ein Ärztehaus bauen. Anwohner protestieren dagegen wegen der dichten Bebauung, eines sechsstöckigen Turms und der Konkurrenz für Zehlendorfer Händler.

 

11 Gedanken zu „Siedlungsbau im ehemaligen US-Hauptquartier

  1. Ich habe 16 Jahre dort gearbeitet und mir blutet das Herz wenn ich sehe, wie sich die
    nächste Heuschrecke breit macht, abgesehen vom historischen Bestand diese Areals
    erschließt sich mir nicht, wie dort die geplante Bebauung statt finden soll, der Platz
    für die geplante Bebauung ist gar nicht vorhanden und entscheidend ist ja auch die
    Planung des Landeskonservators.

    Bestes Beispiel für eine gelungene Bebauung ist das heutige Bundesarchiv, die ehemaligen Andrews-Barracks, oder der Umbau der ehemaligen Mc Nair-Barracks, dort mußten zwar auch historische Gebäude erhalten bleiben, dort wren aber auch andere Möglichkeiten, enweder durch Abriss einiger Zweckbauten, der Nutzung der ehemaligen Motor-Pools, bzw. die Bebauung der Sportplätze.

    ALL DIESE MÖGLICHKEITEN GIBT ES NICHT IN DEN EHEMALIGEN
    CLAY – HEADQUARTERS:

  2. Neu ist mir, dass keine Läden geplant sind ?!?
    Läden fehlen in diesem Kiez auf jeden Fall. Für die Parkviertelbewohner gibt es nur Lidl – alle anderen kleineren Läden sind zu weit weg.
    Gibt es hierzu noch genauere Informationen?

    • Ganz im Gegenteil, es sind -viel zu groß- Läden geplant, auf dem Areal Truman-Plaza, also direkt daneben, ein Supermarkt, an die 2000 qm, derzeit Reichelt oder Edeka, dazu ein Biomarkt mit 400 qm und andere; diese Planung ist für die Ladenstraße im U-Bahnhof Onkel-Toms-Hütte fast ein sicherer Todesstoß, auch der kleine Edeka-Markt Ecke Waltraudstr. dürfte, trotz Zusagen, nicht lange überleben. Eines der Hauptargumente vom Investor Stofanel war die fehlende Versorgung des Hüttenwegssiedlung gewesen.
      Charakteristischerweise ist die Sondernutzung (d.h. Läden, Hotel, Büro- und Gesundheitsflächen ect.) jetzt per verkürztem Verfahren genehmigt worden, der Bebauungsplan für Wohnungen, die teuer genug sein dürften, hat Zeit.

    • @thomcat „der prinz von preussen will sich also sein besitz wiederholen.“

      Will? Ich lese: Er hat.

      Wenn Georg Friedrich Prinz von Preussen uns dort was bauen /umbauen möchte, so hab ich nichts dagegen.

  3. Zehlendorf entwickelt sich dank einer von Investoren bestimmten Stadtentwicklung weiter zu einem Ghetto für Besserverdienende. (Stichworte: Truman Plaza, American Headquarter -Prinz v. Preußen -, Oskar-Helene-Heim- OHH).
    Zu diesen drei großen Bauprojekten in einem Radius von etwa 2 Kilometern, deren Wohnungsangebote sich ausschließlich im Luxussegment bewegen, kommt jetzt ganz aktuell noch ein Abriss von drei funktionstüchtigen Wohnblocks hinzu, (über 70 Wohnungen) nach einem Verkauf aus Bundesbesitz, die vor wenigen Jahren erst modernisiert wurden und dann leer standen. Geplant sind auch hier gewinnoptimierte 14 neue Gebäude im „gehobenen Standard“. Alte Bestandsmieter aus den benachbarten privatisierten Wohnsiedlungen (der ehemaligen Gehag und Gagfah) der 20er und 30er Jahre, soweit sie nicht schon verdrängt wurden, können sich ausrechnen, wie lange sie hier noch durchhalten können.
    Es liegt leider im Trend, dass in unserem Bezirk allenfalls noch über Ästhetik, Geschäftsinteressen und möglicherweise noch um Schutz von Bäumen und Grünanlagen diskutiert wird.

  4. Hallo,
    ich bin eigentlich eher durch Zufall auf Ihre Seite gekommen. Nachdem ich mich ein wenig durchgelesen habe, muss ich sagen Ihre Seite gefällt mir sehr. Ich werde in Zukunft öfters mal vorbei schauen 🙂

    MFG

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